Im Job…und nun?

Es ist sehr viel Zeit ins Land gegangen. Und viele Dinge sind passiert. Neue Chancen, Etablierung bekannter Aufgaben, zu viel um alles in einem einzigen Post abzuarbeiten. Dafür sollte man sich doch Zeit lassen. Keine Eile, kein Stress 🙂

In den nächsten Tagen und Wochen werden hier Berichte aus dem Berufsleben eines Psychologen folgen. Was schön ist, was stressig, was herausfordert.

Aber woraus werden diese Berichte genau bestehen? Bitte gebt mir Feedback, was euch interessiert! 🙂

 

Literaturtipp – Die Wand

Es heißt „Schuster bleib bei deinen Leisten“, weshalb Sie hier auch einen psychologischen Blog von einem Psychologen lesen und keinen Modeblog von einem Psychologen, der Mode mag und mitbloggen will, ohne sich dafür qualifiziert zu haben. Ich habe auch keine Literaturwissenschaften studiert und setze mich nun dennoch über mein Credo hinweg und gebe einen Literaturtipp der weniger fachlicher denn begeisterter Natur ist.

„Die Wand“ von Marlen Haushofer hat mich persönlich und auch beruflich beeindruckt. In dem bereits 1963 erschienen und seither hochgelobten und viel rezipierten Roman schildert Haushofer die Erlebnisse einer Frau, die sich während eines Wochendtripps plötzlich eingeschlossen von einer unüberwindbaren, unsichtbaren Wand wiederfindet. Unaufgeregt, aufrichtig und zugleich hochdramatisch schildert die Ich-Erzählerin was sie fühlt und nicht fühlen will, was sie tut um zu überleben und wie sie über ihr altes Leben denkt. Eine Robinsonade, die als glühende Zivilisationskritik gedeutet werden kann. Für mich gerade beruflich von besonderem Wert sind jedoch Haushofers äußerst detailliert geschilderte Gedankengänge der Protagonistin, in denen sie ihren Umgang mit der völligen ungewissen Situation und den damit verbundenen Herausforderungen schildert. Schonungslos ehrlich, verzweifelt und dennoch äußerst konstruktiv. Die namentlich nie benannte Hauptfigur schafft es, wichtige Grundsätze psychotherapeutischer Arbeit aus sich heraus anzuwenden, um sich zu retten und es gelingt ihr. So glaubt sie an die Kraft positiver Gedanken, lebt bewusst im hier und jetzt und nicht in der eh ungewissen Zukunft und haushaltet bewusst mit ihren lebenswichtigen Kräften.

„Die Wand“ ist kein Ratgeber, kein Depressionsbuch und erhebt auch an keiner Stelle diesen Anspruch. Es handelt sich um einen wichtigen Roman deutschsprachiger Literatur, der ob seiner präzisen Beobachtungen und ehrlicher Darstellung von Dramatik aufzeigt, dass auch schwere Bürden gemeistert werden können. Der Ausgang ist offen, vielleicht ungewiss und dennoch zeigt Haushofer dem Leser, dass in jeder Situation eine gewisse Schönheit innewohnen kann, die man erst einmal entdecken lernen muss. Doch macht man sich auf, eigeninitiativ zu lernen, wartet die Schönheit und der Funke Hoffnung überall auf uns: am Wegesrand, im Blick eines Tieres, oder im Wind der durch das Gras fließt.

Fazit: kurzes, sehr dichtes Werk, das gelesen werden möchte 🙂

Feedback geben

Feedback geben kann eine ganz schön große Herausforderung sein. Ein Grund sich dem genauer zu widmen.

Es passiert gern und leider zu oft, dass Feedback in umhomöpathischen Dosen mittels des großen Hammers gegeben wird. Etwas euphemistisch dargestellt, kann das als klärendes Gewitter abgetan werden. Es muss aber nicht immer donnern, um jemandem die Meinung zu sagen oder eine Diskussion zu führen und genau das soll dieser Post erläutern.

Was ist Feedback überhaupt? An sich kann man Feedback als eine Form der Rückmeldung verstehen. Eine Rückmeldung über eine Leistung die erbracht wurde (Lehrer geben ihren Schülern zum Beispiel Feedback) oder über ein verhalten das an den tag gelegt wurde und eventuell immer wieder wird (der Ehemann, der zum zehnten Mal die leere Milchtüte wieder in den Kühlschrank gestellt hat).

Ob nun privat oder beruflich, derartige Rückmeldungen sind wichtig und bringen einen Zugewinn an Erkenntnis für alle Beteiligten mit sich. ABER sie bergen auch ein gehöriges Potential an Explosivität. Die soll entschärft werden.

Wie macht man das? Am einfachsten ist es, den Regeln des Feedback-Sandwiches zu folgen. Überlegen Sie sich genau was sie an Kritik oder Rückmeldung geben wollen und läuten Sie dieses mit etwas Positivem ein, bringen dann die Kritik an und leiten Sie schlussendlich das Feedback auch mit etwas Positivem aus. Ein simples BEISPIEL: Ich finde es schön, dass du immer die Lebensmittel zurück in den Kühlschrank räumst. Da wird so schnell nichts schlecht. Dennoch würde ich es schön finden, wenn du die leeren Packungen direkt in den Müll schmeißt. Dann können wir bei unseren Einkäufen in Zukunft imme rbesser berücksichtigen was noch im Haus ist und was nicht und wir haben keine plötzlichen Milchengpässe.  Die gute Konsequenz eines solchen Feedbacks ist die, dass Ihr Partner sich nicht “auf den Schlips” getreten und sich gewertschätzt fühlt. Nur wenn man eine Atmosphäre der Wertschätzung aufbauen kann, kann man gutes und hilfreiches Feedback geben. Alles andere führt zu Reaktanz, d.h. trotzigen Retourkutschen (nun gut, nicht immer, aber immer öfter 🙂 ).

Weitere wichtige Feedback-Regeln:

  1. Bleiben Sie konkret. Vermeiden Sie (All)Gemeinheiten. Wenn Sie Rückmeldungen machen, dann bitte beziehen Sie sich immer konkret auf die Situation. Sätze wie: Du machst das IMMER! sorgen schlicht für Stress beim Feedbackempfänger und provozieren Verteidigungshaltungen.
  2. Mach Sie klar, dass das Feedback IHRE Meinung ist und nicht die Meinung der Allgemeinheit. Es mag sein, dass Sie etwas kritisch betrachten, das ist kein beweis dafür, dass die Allgemeinheit das auch so sieht. Beispiel: Ich empfinde das so und so. Anstatt: Es ist so und so.
  3. Geben Sie Feedback nicht als Strafe, sondern mit dem Ziel der positiven Veränderung. Wählen Sie Ihre Formulierungen auch dementsprechend. Beispiel: Weisste was, das war scheiße. -> Sehr unschön. Etwas schöner: Weisste was, ich habe das so wahrgenommen, als wärst du unaufmerksam/nicht gut vorbereitet/… .
  4. Prüfen Sie, ob Ihr Feedback gewünscht ist. fragen Sie nach, bevor Sie Feedback geben.
  5. Geben Sie Feedback zeitnah. Heute Feedback geben über eine Arbeitsleistung oder ein Fehlverhalten im letzten Sommer bringen nicht wirklich viel.

Regeln für den Empfänger von Feedback:

  1. Nehmen Sie das feedback dankbar an und vermeiden Sie eine Verteidigungshaltung.
  2. Lassen Sie denjenigen, der Ihnen Feedback gibt ausreden. Sie wissen nicht, was er/sie sagen will, bis die Inhalte fertig ausgesprochen sind. Geben Sie ihm/ihr die Zeit, die zum Feedback benötigt wird.
  3. Bedanken Sie sich für das Feedback.
  4. Sie müssen kein Feedback radikal akzeptieren. Wenn Sie den Eindruck haben, dass das Feedback unpassend ist oder für Sie irrelevant ist, dann fürden Sie diesem Eindruck nachgehen. Holen Sie Drittmeinungen ein und gehen mit sich in Klausur. Es kann und darf sein, dass Sie sich danach vom Feedback distanzieren und es nicht annehmen.

In diesem Sinne, gutes Gelingen! 🙂

Wie sage ich es meinem Chef?

Ja, wie kann ich meinem Chef vermitteln, dass die Arbeitsbelastung zu hoch ist und ich dem Pensum nicht gewachsen bin. Lassen Sie uns das mal so hart stehen bleiben und nicht über die Formulierung streiten.

Immer wieder verdeutlichen Patienten im Gespräch, dass die vermittelten Inhalte wie z.B. sich öfter etwas Gutes zu tun und konsequent Pausen zu schaffen, schön aber für das Arbeitsleben unpraktikabel sind.

„Können Sie mir mal erklären, wie ich Pausen machen soll, wenn mein Chef mich mit Aktenbergen zuschüttet und ich Deadlines habe? Würden Sie bitte auch eine Erklärung mitgeben, was ich meinem Chef sage, wenn er mir auf die Bitte um weniger Arbeitspensum erwidert, dass meine vierteljährliche Bewertung noch nicht festgeszurrt ist?“

Die Patienten haben natürlich Recht. Das berufliche Umfeld hat besondere Anforderungen und die müssen berücksichtigt werden. Nichtsdestotrotz muss eines festgehalten werden: Manchmal MÜSSEN Veränderungen sein. Andernfalls drohen das immer stärker diskutierte Burnout. Ob nun Burnout wirklich als Burnout bezeichnet werden kann, soll hier außen vor bleiben. Es beschreibt ein akutes Belastungserleben und daher ist der Begriff für diesen Post ganz nützlich.

Wie kann ich nun dafür sorgen, bessere Arbeitsbedingungen zu schaffen. Zuerst einmal ist die viel erwähnte work-life-balance wichtig. Gleichen Sie den beruflichen Stress mit Entspannung im Privatleben aus. Beruflicher Stress bringt die Waage negativ in sschwanken. Gleichen Sie dies mit positiven Aktivitäten aus.  Das ist möglich und wenn die Zeit wirklich fehlt, nehmen Sie sich wenige Minuten um vielleicht ein Entspannungstraining zu verfolgen. Ein 10 Stunden-Tag muss nicht mit einem 3-stündigen Wannenbad ausgeglichen werden, 20 Minuten können auch schon Erholung bieten. Bitte behalten Sie einfach Ihre Interessen im Kopf und sorgen Sie dafür, dass die Hobbies nicht in Vergessenheit geraten. Gleiches gilt für kurze Päuschen auf der Arbeit. Ihre Kollegen machen doch auch Zigarettenpausen. Wieso sollten Sie dann nicht eine 5-minütige PMR machen können?

„Also wirklich, ich kann meinem Chef nun echt nicht erzählen, dass ich PMR machen will!“ Mhhhh….warum nicht? Auf die Art WIE Sie es sagen kommt es an. Und irgendwann ist ein solches Gespräch unumgänglich. Wichtig ist es hier nach den Regeln guten Feedbacks vorzugehen. Gebrauchen Sie das Feedback-Sandwich: Leiten Sie Ihre Bitte oder Ihre Kritik mit etwas Positivem ein, bringen Sie dann Ihr Anliegen vor und leiten Sie das Feedback dann ebenfalls positiv aus, geben Sie eine gute, vielversprechende Perspektive vor.

Üben Sie es ein, Feedback zu geben, sodass Sie für das Gespräch mit dem Chef gewappnet sind. Übung macht den Meister und schafft Sicherheit.

Ein anderer Weg, ein solches Gespräch vorzubereiten ist der Schriftweg. Schreiben Sie ganz exakt auf, was Sie Ihrem Chef sagen möchten und halten Sie Ihre Argumente fest. Dies bedeutet nicht, dass Sie mit Handzetteln ins Meeting gehen sollen, sondern vielmehr, dass eine gute Vorbereitung dafür sorgt, dass das gefürchtete „schwimmen“ in der Argumentation reduziert werden kann und somit wieder eine stressbehaftete Störquelle beseitigt werden kann.

Ich wünsche Ihnen in jedem Fall, dass Ihr Gesprächsvorhaben erfolgreich verläuft. Die Chancen stehen gut, das beweisen zahlreiche Patientengespräche, die über große Ängste vor solch offiziellen Gesprächen berichtet haben und die danach höchstzufrieden waren. Zufrieden, weil ihre Offenheit honoriert wurde und ihnen Unterstützung zugesagt wurde. Natürlich wurde ein solches Gespräch im therapeutischen Setting nicht in einer einzigen Sitzung vorbereitet. Man darf und soll sich dabei Zeit nehmen. Man soll aber auch am Ball bleiben. Holen Sie sich Hilfe. Hilfe können vertraute Kollegen bieten, genauso wie Ihr persönliches und familiäres Umfeld. Was sagen die zu der Situation, was raten Sie Ihnen bzw. was hat ihr Umfeld in ähnlichen Situationen unternommen? Hier können eine Vielzahl an möglichen Hilfen generiert werden, aus denen Sie dann mittels des in früheren Posts beschriebenen Bauchgefühls wählen können 🙂

Viel Erfolg!

Facebook ist gut fürs Selbstbewusstsein ?

😀

Na das sind doch mal spannende Neuigkeiten!

In einem 2013 publizierten Artikel berichten Toma und Hancock, dass der Gebrauch von Facebook das Selbstbewusstsein unterstützen kann.

Sie testeten insgesamt 88 Studenten, die eine kurze Rede halten mussten und danach auf Feedback warten mussten. Die Wartezeit mussten sie damit überbrücken, entweder ihr eigenes Facebookprofil oder das einer anderen Person anzusehen. Das Feedback war für alle Teilnehmer negativ und die Teilnehmer die sich ihr eigenes Profil angesehen hatten, konnten die Kritik besser annehmen. Auch ein Folgeexperiment bestätigte die Annahme, dass Facebook selbstwertförderlich sein kann.

Nun ja, 88 Teilnehmer sind nun nicht wirklich repräsentativ. Es bleiben ein paar weitere Studien abzuwarten. Aber zum Wochenende ist das ein recht amusanter Inhalt, den ich gern teilen wollte.

 

Wer das genauer nachelsen möchte, unter folgendem Link ist die Originalpublikation einzusehen:

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23359086

Was ist denn ein PiA ?

🙂

Ein PiA ist ein Psychologe oder eine Psychologin in Ausbildung. Und warum befindet sich der Psychologe in Ausbildung? Er hat die Entscheidung getroffen beruflich als Therapeut zu arbeiten. Zu diesem Zweck benötigt er eine Approbation, die nach einer mindestens dreijährigen Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten und einer bestandenen Abschlussprüfung, erteilt wird. Erst danach darf sich ein Psychologe offiziell auf als Psychotherapeut bezeichnen, mit Patienten therapeutisch arbeiten und einen Kassensitz eröffnen (diesbezüglich gibt es auch noch spezielle Regelungen, die hier aber ausnahmsweise vernachlässigt werden). Wichtigste Voraussetzung für den Eintritt in die Therapeutenschule ist ein abgeschlossenes Studium der Psychologie (Diplom oder Master of Science). Außerdem können auch Ärzte und Sozialpädagogen eine solche Ausbildung absolvieren (ebenfalls mit eigenen Regularien und Zugangsvoraussetzungen).

Im Rahmen der genannten Ausbildung müssen zwei Praktika (mind. 12 Monate und mind. 6 Monate) z.B. in einer Psychiatrie absolviert werden, danach müssen mehrere hundert Stunden psychotherapeutische Arbeit abgeleistet werden, Nachweise über eigenständige Arbeiten in Lernrguppen erbracht werden und über den gesamten Ausbildungszeitraum Seminare besucht werden, in denen Wissen über psychische Erkrankungen, deren Behandlung, sowie rechtliche Grundlagen zur Arbeit als Therapeut vermittelt werden.

Das ist in groben Zügen die Beschreibung der Tätigkeiten und Verpflichtungen eines PiA 🙂 Und jetzt, da Sie wissen, was es gebraucht um sich als PiA zu bezeichnen, werden immer wieder einige Tätigkeitsberichte folgen.

Viel Spaß dabei! 🙂