Im Job…und nun?

Es ist sehr viel Zeit ins Land gegangen. Und viele Dinge sind passiert. Neue Chancen, Etablierung bekannter Aufgaben, zu viel um alles in einem einzigen Post abzuarbeiten. Dafür sollte man sich doch Zeit lassen. Keine Eile, kein Stress 🙂

In den nächsten Tagen und Wochen werden hier Berichte aus dem Berufsleben eines Psychologen folgen. Was schön ist, was stressig, was herausfordert.

Aber woraus werden diese Berichte genau bestehen? Bitte gebt mir Feedback, was euch interessiert! 🙂

 

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Depressionsdreieck

Denken, fühlen, verhalten.

Das sind die Elemente des Depressionsdreiecks. Ein Dreieck, denn alle Elemente bedingen sich gegenseitig. Ein einfaches Beispiel: Ich denke ich schaffe die Klausur nicht, ich fühle mich daher traurig und mutlos und lerne nicht mehr. Die Klausur wird nicht gut benotet. Ich denke umso öfter daran, dass ich auch die zukünftigen Klausuren nicht schaffe, werd eimmer niedergeschlagener und trauriger und ziehe mich zurück, lerne nicht mehr. Eine Negativ-Spirale

Sie sehen anhand dieses uns allen bestimmt schon einmal im Leben begegneten Beispiels, wie einflussnehmend das auf den ersten Blick einfache und unkomplizierte Depressionsdreieck sein kann. Nicht zuletzt deswegen wird in der Therapie der Depression diesem Dreieck viel Raum beigemessen und direkt hier der Therapie eine Struktur gegeben.

Dies bedeutet, was Mut macht, dass die oben angedeutete Negativ-Spirale in eine Positiv-Spirale umgewandelt wird! Denn, jetzt wird es etwas plump, wo man bergabgeht, kann man auch bergaufgehen. Zugegeben, bergauf zu gehen ist anstrengend, aber das Ziel vor Augen lohnt sich diese Anstrengung (Die Spirale wird in einem der kommenden Posts noch einmal genauer beleuchtet; Zur Veranschaulichung ist sie aber hier sehr sinnvoll und wird daher bereits erwähnt).

Wo kann man denn dann ansetzen, wenn denken, fühlen und verhalten sich gegenseitig bedingen? Beim verhalten! So beginnt die Verhaltenstherapie zum Beispiel auch zuerst mit dem Aufbau von positiven Aktivitäten und geht dann dazu über mit Denkmustern zu arbeiten und schlussendlich werden Emotionen in den Fokus genommen. So kann der Aufbau positiver Aktivitäten zu Erfolgen führen, die dem Menschen helfen, aus dem Denkmuster herauszukommen, dass er/sie machtlos ist, was schlussendlich dazu führt, dass wieder Freude aufkommt und das Selbstwirksamkeitserleben nachhaltig gestärkt wird!

Prima, das wär geschafft. Verhaltenstherapie in 270 Worten zusammengefasst 🙂 Ich muss zugeben, dass ist etwas kurz, aber nichtsdestotrotz ein schöner Einstieg.

(Ein)schlafstörungen…

…kennt, ich hoffe ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster, jeder von uns. Gerade deswegen ist es an der Zeit ein paar Tipps und Tricks zu verraten, wie man sie umgehen kann und mit immer wieder auftauchenden Schlafmythen aufzuräumen.

Schlafmythen:

  • Der Schlaf vor Mitternacht ist wder wichtigste und der gesündeste. Das ist wirklich interessant, denn das bedeutet ja, dass die biologische Uhr des Körpers mit dem Radiowecker eine Verbindung eingegangen ist. Tag und Nacht beeinflussen natürlich unseren Schlafrhythmus, es ist aber ungünstig, sich mit Floskeln wie der obigen Stress zu machen. Man soll schlafen wenn man müde ist und wenn man immer erst nach Mitternacht ins Bett gehen möchte, dann entspricht das den körperlichen Bedürfnissen! Geben Sie diesen nach und nicht dem kleinen Gerät, dass SIe eh am frühen Morgen immer ärgern möchte indem es unbarmherzig Alarm schlägt und man aufstehen muss.
  • Man sollte immer mindesten 7, wenn nicht sogar 8 Stunden schlafen. Zu diesem Mythos möchte ich gerne einfach mit einer kölschen Weisheit antworten: Jeder Jeck is anders! Natürlich ist es schön, wenn die Nachtruhe eine zeitlang andauert, aber dann direkt sagen zu können wie lang das mindestens sein muss, löst einfach wieder nur Stress aus. Junge Menschen kommen des Öfteren mit weniger Schlaf aus und bei Älteren steigt mitunter das Schlafbedürfnis um dann in noch fortschreitenderem Alter wieder zu sinken. Der menschliche Organismus ist zu komplex, um sich einfach dieser Forderung unterwerfen zu können. Wenn Sie sagen, Ihnen reichen auch 6 Stunden Schlaf z.B. dann ist das O.K. Tun Sie mir nur einen Gefallen und gönnen sich dann wenigstens regelmäßig Schlaf, es lohnt sich 😉
  • Im Schlafzimmer muss es kalt sein! Spannend. Gerade für diejenigen unter uns, die eh schnell frieren eine wunderbare Gelegnheit zur regelmäßigen nächtlichen Selbstkasteiung. Fenster auf! Decke weg! Is zu warm! Das einzige woran man sich bei der Idealtemperatur orientieren sollte ist man selbst und der möglicherweise anwesende Partner. Gucken Sie, dass Sie nicht in saunaähnlichen Temperaturen schlafen und finden Sie einen Temeraturkompromiss mit dem Zimmergenossen. Andernfalls könnte es zu nächtlichen Diebstählen des Plymos kommen. Sehr unschön.
  • Alkohol lässt mich besser einschlafen. Hier erreichen wir sehr kritische Schlafmythen! Vorsicht! Erstens darf Alkohol nicht zur Regel werden oder gar ritualisiert getrunken werden. Zweitens verschlechtert Alkohol die Qualität des Schlafes! Der Traumschlaf UND der Tiefschlaf werden beeinträchtigt, und gerade dies sind die Phasen des Schlafes, die besonders erholsam sein können!
  • Schlaf kann nachgeholt werden. Wäre es so, könnte man auch vorschlafen. Ganz so wie die Nachbarin von Amelie Poulain in “Die fabelhafte Welt der Amelie”. Im Film schmunzelten wir, als die Rede war von der Nachbarin die einfach den ganzen Schlaf ihres Lebens auf einmal nimmt, um danach immer wach sein zu können. Im realen Leben scheinen wir dem doch Glauben zu schenken, wenn wir am hier dargestellten Schlafmythos festhalten. Man kann nicht vorschlafen und auch nichts nachholen. Sorgen Sie einfach dafür immer eine für Sie ansprechende Menge an Erholung zu kriegen.
  • Habe ich nachts schlecht geschlafen, wird auch der folgende Tag eine Qual. Dass der folgende Tag ein inneres Blumenpflücken wird möchte ich Ihnen nicht versprechen, kann Sie aber dahingehend beruhigen, dass eine Nacht schlechten Schlafes einen etwas müde machen kann, aber noch lange nicht dafür sorgt, dass der ganze Tag im Eimer ist. Vertrauen Sie auf die Kraft Ihres Körpers, er wird das Kind schon schaukeln. Eine Nacht schlechter Schlaf ist völlig unbedenklich.

Hier gelangen wir dann bereits zu allgemeinen Tipps, die uns helfen können, besser einzuschlafen:

  • wie im letzten Mythos angedeutet: Vertrauen Sie auf die Energiereserven Ihres Körpers! Machen Sie sich keinen unnötigen Stress indem Sie die ganze Zeit befürchten, dass Sie morgen nicht funktionieren, wenn Sie jetzt nicht richtig schlafen. Das einzige Ergebnis dieser Gedanken ist, dass Sie so sehr aufgekratzt werden, dass SIe wirklich nicht mehr einschlafen können. Stress entsteht und den gilt es zu vermeiden.
  • Können Sie wirklich nicht einschlafen: Raus aus dem Bett! Machen Sie etwas ruhiges, entspannendes, wechseln Sie das Zimmer und gehen Sie erst dann zu Bett, wenn Sie merken, dass die Müdigkeit langsam kommt.
  • Wenns mal wirklich nicht geht mit dem Schlafen, dann ruhen Sie. Allein die liegende Position sorgt für Entspannung und unterstützt den Aufbau neuer Energien.
  • Gehen Sie ins Bett wenn Sie müde sind und NUR DANN!
  • Etablieren Sie Rituale vom zu Bett gehen. Der Körper lernt sehr gerne und genauso schnell lernt er, dass Zähne putzen und der letzte Gang durch die Wohnung bedeuten: Schlafmodus anwerfen. Bringen Sie Ihrem Körper sozusagen bei, einzuschlafen 🙂 Ein heißes Bad kann auch gut wirken, ABER nur kurz! Lange heiße Bäder können den Kreislauf ankurbeln und wach machen.
  • Genauso kann Sport oder deftiges Essen kurz vor dem Schlafengehen auch dafür sorgen, dass Sie wach werden. Sport an sich ist toll, aber bitte nicht 10 Minuten vor dem Schlafengehen.
  • Medikamente: Viele Menschen sprechen mit Ihrem Hausarzt oder Psychiater über Schlafprobleme und vereinbaren, ein Medikament zu nehmen, das das Schlafen erleichtert. Das kann ab und an sehr nützlich sein, ABER: Schlafe ich heute gut durch eine Tablette und nehme sie morgen nicht mehr, kann Schlafinsomnie entstehen. Das bedeutet, dass die Schlafstörungen kurzzeitig noch stärker werden. Merken Sie sich das. Sonst besteht die Gefahr, dass man denken könnte, dass es ohne Medikament wirklich gar nicht mehr geht!
  • GRÜBELN: Viele Menschen können nicht einschlafen, weil sie grübeln. Der erste Tipp hier: Legen Sie einen Block ans Bett und einen Stift. Wenn Sie anfangen zu grübeln, dann schreiben Sie die Gedanken auf! Befördern Sie sie aus Ihrem Kopf auf Papier. Danach klappt das einschlafen manchmal besser. Üben Sie wennmöglich auch die Technik des Gedanken-STOPPS (Inneres Stoppschild setzen; innerer Befehl mit dem Grübeln aufzuhören).
  • Es kann auch sehr gut sein eine Technik wie die Progressive Muskelrelaxation zum Einschlafen anzuwenden.

Einen ganz wichtigen Tipp habe ich aber noch: Wenn Sie diese Tipps hier durchlesen und bei einem denken: Nee, also das wirkt bei mir aber nun echt nich’, das hab ich schon so oft versucht und es macht mich nur noch nervöser! Oder andersrum: Wie? Langes heißes Bad is’ nicht so gut? Das hilft mir doch immer gut! BITTE betrachten Sie alle Infos als Stützen und Helferlein (außer die mit dem Alkohol und den Medikamenten; da sollte wirklich Vorsicht walten). Kein Tipp ist in Stein gemeißelt. Jeder Jeck ist halt anders und so wird es für jeden Tipp auch individuelle Unterschiede in der (Un)wirksamkeit geben.

Und wo wir gerade beim Thema sind: Ich wünsche Ihnen nun viel Spaß mit den Inhalten dieses Post und eine noch viel bessere Nachtruhe 🙂

Was ist denn ein PiA ?

🙂

Ein PiA ist ein Psychologe oder eine Psychologin in Ausbildung. Und warum befindet sich der Psychologe in Ausbildung? Er hat die Entscheidung getroffen beruflich als Therapeut zu arbeiten. Zu diesem Zweck benötigt er eine Approbation, die nach einer mindestens dreijährigen Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten und einer bestandenen Abschlussprüfung, erteilt wird. Erst danach darf sich ein Psychologe offiziell auf als Psychotherapeut bezeichnen, mit Patienten therapeutisch arbeiten und einen Kassensitz eröffnen (diesbezüglich gibt es auch noch spezielle Regelungen, die hier aber ausnahmsweise vernachlässigt werden). Wichtigste Voraussetzung für den Eintritt in die Therapeutenschule ist ein abgeschlossenes Studium der Psychologie (Diplom oder Master of Science). Außerdem können auch Ärzte und Sozialpädagogen eine solche Ausbildung absolvieren (ebenfalls mit eigenen Regularien und Zugangsvoraussetzungen).

Im Rahmen der genannten Ausbildung müssen zwei Praktika (mind. 12 Monate und mind. 6 Monate) z.B. in einer Psychiatrie absolviert werden, danach müssen mehrere hundert Stunden psychotherapeutische Arbeit abgeleistet werden, Nachweise über eigenständige Arbeiten in Lernrguppen erbracht werden und über den gesamten Ausbildungszeitraum Seminare besucht werden, in denen Wissen über psychische Erkrankungen, deren Behandlung, sowie rechtliche Grundlagen zur Arbeit als Therapeut vermittelt werden.

Das ist in groben Zügen die Beschreibung der Tätigkeiten und Verpflichtungen eines PiA 🙂 Und jetzt, da Sie wissen, was es gebraucht um sich als PiA zu bezeichnen, werden immer wieder einige Tätigkeitsberichte folgen.

Viel Spaß dabei! 🙂