Was bleibt, wenn PT1 und PT2 fertig sind?

Ja, was bleibt, wenn man diesen großen Abschnitt auf dem Weg zum Psychotherapeuten hinter sich gelassen hat?

Erleichterung, Zufriedenheit und Freude, dass man es geschafft hat, dass man ein Stück weiter, kein freshman mehr ist. Natürlich hätten hier nun auch Attribute wie Erkenntnisgewinn, Professionalität und profundes psychotherapeutisches Wissen stehen können. Natürlich. Das hätte sogar sehr schön ausgesehen. Aber um es auf den Punkt zu bringen: Das reicht nicht. Was ich mit Sicherheit und Bestimmtheit sagen kann ist nur: Ich weiß, was ich noch nicht weiß. Ich weiß, was noch auf mich zukommt. Und darauf freue ich mich.

Nun aber mal etwas ausführlicher. Wie war das nun mit PT (praktische Tätigkeit…psychiatrisches Jahr…)? Ich muss zugeben, dass ich Angst hatte anzufangen. Ich wusste nicht, was auf mich zukommt und hatte lauter “Geschichten” gehört. Erste psychotherapeutische Erkenntnis: Hör auf zu katastrophisieren und bleib realistisch. Dir kann nichts passieren. Du arbeitest im Team und hast ein professionelles Umfeld, auf das du dich verlassen kannst und sollst. Und das konnte ich wirklich!! Das gesamte Team (ob nun Chefs oder Kollegen), haben mich aufgefangen und mir den Start erleichtert. Und niemand hat vergessen, dass jeder mal angefangen hat und gerade in solchen Momenten zumeist Unsicherheit und Nervosität gerne an Bord kommen. Heiße sie willkommen und verweise sie des Raumes 🙂 Man tut gut daran, erst einmal zu beobachten und langsam mit der psychotherapeutischen Arbeit anzufangen. Traut euch, aber überfordert euch nicht.  Anderthalb Jahre sind eine lange Zeit und in dieser Zeit bleibt genug Raum seinen eigenen Weg zu finden die Arbeit auszuüben. Man muss nicht alles sofort wissen und sofort können. Man muss sich nur gestatten, um Hilfe zu bitten. Und mit allem Respekt, das “muss” sitzen. Ich denke hierbei insbesondere an meine Tätigkeit in der Depressionsgruppe, in der “Um Hilfe bitten” ein sehr wichtiger Themenbereich ist. JA! Das Gruppenmanual hatte wirklich Recht….um Hilfe zu bitten und diese bewusst einfordern ist extrem wichtig 🙂

Gab es schwierige Situationen? Auf jeden Fall! Ist was schief gelaufen? Nie. Warum nicht? Nun ja, man muss ab und an den Pfad des empirischen Wissens verlassen und auf seine Intuition vertrauen. Was sagt dein Bauch dir? Was braucht man in dem und dem Moment? Handle dementsprechend, zeige Empathie und sei du selbst. Problem gelöst. Ist das Problem immer noch nicht gelöst? Hol dir Hilfe…Schwestern, Ärzte, Psychotherapeuten….JEDER wird in schwierigen Situationen helfen oder dich weiterverweisen an jemanden der z.B. gerade verfügbar ist. Man darf einfach nicht versuchen mit aller Macht Situationen alleine zu lösen. Das kann man nicht und das kann oft auch ein fertiger Psychotherapeut nicht. Dazu gibt es ein multiprofessionelles Team. Sei dir dessen bewusst und sei dir bereits im Vorhinein bewusst wo deine eigenen Grenzen sind.  Mit der Zeit erweitern diese sich, aber eben mit der Zeit und nicht hauruck!

 

Fühlte ich mich inkompetent? Oh man JA! Ich habe mir unnützen Druck gemacht alles wissen zu müssen und alles können zu müssen. Und merkte erst, dass ich doch recht kompetent bin, als ich aktiv den Druck rausnahm und mich auf das Wesentliche konzentrierte: Den Aufbau von Wissen und Fähigkeiten.

Was ist der Grund, warum ich so entspannt durch die Psychiatriezeit gegangen bin? Sehr einfach: Meine Kollegen. IMMER aber auch IMMER konnte ich Fragen stellen, Dinge besprechen, Probleme diskutieren und wusste ebenfalls IMMER: ich darf das. Nicht jeder hat dieses Glück, das ist mir klar. ich wünsche aber jedem, der seine praktische Tätigkeit beginnt, dass er das gleiche Glück haben wird wie ich. Ich bin deshalb unendlich dankbar für die Zeit die ich hatte und die Menschen die ich kennengelernt habe. Aus Kollegen wurden Freunde 🙂

Natürlich war nicht alles entspannt und nicht alles eitel Sonnenschein. Natürlich hat man Stress und viel zu tun und Pflichten die es zu erfüllen gilt. Aber wie ist noch mal gleich die wichtige psychotherapeutische Frage? Ach ja: Wie denken Sie in ein paar Monaten darüber? Ich denke ein paar Wochen danach darüber, dass alles genau richtig war und ich so viel gelernt habe wie nie zuvor und dass es alles wert war. Und genau das war mir auch in der zeit in der Psychiatrie klar. Es ist es wert. Ich will das machen und ich kann es. Es gibt noch immer viel zu lernen, und das mache ich gern 🙂

 

In diesem Sinne: Frohes schaffen 😉

 

 

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