BURNOUT!

Seit langem keine Blogeinträge mehr. Es wird Zeit für ein Zeichen der Aktivität!

Und was liegt da näher als nach einer “kurzen” Blogabstinenz (bitte gestatten Sie mir, die Definition von kurz etwas zu verlängern) über ein Thema zu schreiben, dass seit einigen Jahren in aller Munde ist: Burnout.

Burnout – die Managerkrankheit. Da habens wirs, der erste Schritt in die falsche Richtung. Man möchte meinen, dass Burnout einer schwerbeschäftigten Berufsgruppe vorbehalten ist. Dem ist aber nicht so!  Ca. 10% der Arbeitnehmer in helfenden Berufen sind betroffen und 20 – 30% aller Arbeitnehmer sind gefährdet (Pschyrembel, 2009). Aber was ist das nun genau, dieses Burnout? An sich ist die Beschreibung to-burn-out (dt.: ausbrennen) ein technischer Begriff. Der Draht einer Glühbirne brennt irgendwann durch, wenn er zu oft geglüht hat. Und auch die Energiesparleuchten gehen irgendwann nicht mehr. Was nun da genau zur mangelnden Funktionsfähigkeit führt, entzieht sich leider der Kenntniss des Autors, lassen Sie uns also bei der Glühbirne verbleiben. Überträgt man dieses technische ausbrennen nun auf die psychologische Ebene, muss man sich die Zeit vor dem Schmelzen des Glühdrahtes ansehen. Die Birne wird immer wieder an und aus gemacht, bis sie irgendwann nicht mehr funktioniert. Beim Menschen ist es so, dass “die Kräfte einer Person durch andauernde Belastungs- und Beanspruchungssituationen nach und nach aufgezehrt werden, sodass sich die betroffenen körperlich, gesitig und emotional ermüdet fühlen und die Begeisterung für ihre Tätigkeit und ihre […] Lebensfreude verlieren.” ( Käser & Wasch, 2009).  Eine wirkliche Definition des Begriffes gibt es bis dato nicht, sondern unzählige Versuche dem Burnout wissenschaftlich Herr zu werden. Burisch (2006) hät in diesem zusammenhang eine sehr ansprechende Kategorisierung der Burnout-Symptomatik bereit, die es erlaubt, Burnout als komplexes Zusammenspiel von verschiedenen Symptomen zu betrachten, ohne jedoch bestimmte Symptome obligat zu machen (Das Auftreten des einen Symptoms erhöht die Wahrscheinlichkeit des Auftrtetens weiterer Symptome; nicht alle Symptome müssen (in gleicher Intensität) ausgeprägt sein.).

  • Warnsymptome der Anfangsphase (überhöhter Energieeinsatz, …)
  • reduziertes Engagement (Distanz zu Klienten, Stereotypisierung von Schülern, …)
  • Emotionale Reaktionen (Depression, Aggression, …)
  • Abbau ( der kognitiven, emotionalen oder kreativen Leistungsfähigkeit)
  • Verflachung (des emotionalen, sozialen und geistigen Lebens)
  • Psychosomatische Reaktionen (Schlafstörungen, Verspannungen, Schwächung der Immunreaktion, …)
  • Verzweiflung (negative Lebenseinstellung, Sinnlosigkeitsempfinden, existentielle Zweifel, …)

Vielfach findet sich auch die dreigliedrige Erfassung des Burnout-Begriffs nach Maslach & Jackson (1981), die ein weltweites Renomée im Rahmen der Burnoutforschung aufgebaut haben. Sie teilen Burnout in emotionale Erschöpfung, Dehumanisierung (emotionale Distanzierung/Entfremdung zu beruflichen Interaktionspartnern) und reduzierte persönliche Leistungsfähigkeit auf.

Trotz der mannigfaltigen Forschung und der ungeheuren Medienpräsenz ist Burnout keine eigenständige Erkrankung (zumindest nicht im Sinne einer ICD-10 oder DSM-Diagnose).

Nun aber die Frage: Wie kann ich mich schützen?

Um hier einige Tipps zu etablieren ist es ratsam zum Glühbirnenbeispiel zurückzukehren. Der Mensch hat den großen Vorteil keine Maschine zu sein. Er kann sich regenerieren und das ist der erste Schritt in die richtige Richtung. Man muss sich bewusstmachen, dass Pausen und Regenerationsphasen ein sessentieller Teil des menschlichen Lebens sind und diese uns allen die Möglichkeit überhaupt erst einräumen, tadellos im Job zu bestehen. Strukturieren Sie Ihre Feierabendzeit daher demgemäß. Sorgen sie aktiv dafür, Regenerationsphasen zu haben, wenn der Job dies schon mal nicht herzugeben vermag. An anderer Stelle wurde hier bereits über PMR berichtet. Ein wunderbares Verfahren um Grundanspannung zu senken.   Versuchen Sie überdies daily hazzles zu vermeiden, die Ihr Stresslevel anheben. Sie rennen morgens bereits zum Bus und sind dadurch gestresst? Wenn es irgend möglich ist, stehen Sie ein kleines bisschen früher auf. Ihr Stresslevel dankt es Ihnen. Sie finden morgens nicht die richtigen Unterlagen für die Konferenz oder die Mathestunde mit der 7b)? Ein gut sortierter Arbeitsplatz und das ritualisierte Taschepacken am Abend kann sie bereits entlasten. In jedem Fall gilt: Machen Sie sich bewusst, dass Sie ein recht auf Pause und angenehme Aktivitäten haben. Recht ist ein gutes Stichwort. Es gibt Rechte und es gibt Pflichten. Jeder hat in einem bestimmten Rahmen beides, wobei zu oft im Rahmen der Burnout-Behandlung auffällt, dass die eigenen Rechte zu Gunsten der Pflichten missachtet wurden. Die eigenen Rechte im Job durchzusetzen ist schwer, aber nicht unmöglich. Die ebenfalls im Blog diskutierten Feedbackregeln helfen Ihnen, auch derlei schwierige Themen mit Kollegen und Vorgesetzten anzusprechen. Ebenso hilft Rigorosität: Man merkt immer erst am Ende eines Tages, wenn es “zu viel” war. Man hat den ganzen Tag geackert und Erfolge gehabt, kommt dann nach Hause und ist völlig platt. Ein klares Indiz für mangelndes Zeitmanagement. Es ist sehr tückisch, dem gefühl zu vertrauen, noch eine Schüppe drauflegen zu können. Natürlich hauts irgendwie hin, doch die Quittung kommt zum Abend oder führt ins Burnout. Sorgen Sie rigorös für eine gute Pausenroutine, auch wenn Sie sich ideal ausgelastet fühlen. Und nein, Pause muss hier kein 2-stündiger Spaziergang sein an dessen Ende der Chef vor Ihrem Schreibtisch wartet und Sie zum Gespräch bittet. Es reichen schon regelmäßig einige wenige Minuten, um sich wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Habe ich schon PMR erwähnt? PMR böte sich hier wirklich wunderbar an 🙂 Sorgen Sie selbstfürsorglich dafür, regelmäßig ins Hier und Jetzt zurückzufinden.   “Ja mach ich doch! Und genau dann bimmelts Telefon, oder der Pc piepst weil ne Mail angekommen ist!” So oder so ähnlich wird oft auf derart optimistische Vorschläge reagiert und da sind wir wieder beim Punkt Rigorosität und die Kommunikation des Ganzen. Es ist ok und wichtig, Erreichbarkeitszeiten zu etablieren und dazu gehören NICHT die Wochenenden und ebensowenig die Urlaubstage. Alles andere stellt wieder eine Beeinträchtigung der Balance zwischen Anspannung und Entspannung, Arbeit und Privatleben dar.

Das ganze Thema ist noch nicht ausgeschöpft und es sollen mit der Zeit noch weitere Tipps besprochen werden. In jedem fall hoffe ich, dass bereits jetzt die ein odere andere Hilfestellung für Sie dabei ist, die Sie gerne ausprobieren möchten. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg!!! 🙂

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Wie sage ich es meinem Chef?

Ja, wie kann ich meinem Chef vermitteln, dass die Arbeitsbelastung zu hoch ist und ich dem Pensum nicht gewachsen bin. Lassen Sie uns das mal so hart stehen bleiben und nicht über die Formulierung streiten.

Immer wieder verdeutlichen Patienten im Gespräch, dass die vermittelten Inhalte wie z.B. sich öfter etwas Gutes zu tun und konsequent Pausen zu schaffen, schön aber für das Arbeitsleben unpraktikabel sind.

„Können Sie mir mal erklären, wie ich Pausen machen soll, wenn mein Chef mich mit Aktenbergen zuschüttet und ich Deadlines habe? Würden Sie bitte auch eine Erklärung mitgeben, was ich meinem Chef sage, wenn er mir auf die Bitte um weniger Arbeitspensum erwidert, dass meine vierteljährliche Bewertung noch nicht festgeszurrt ist?“

Die Patienten haben natürlich Recht. Das berufliche Umfeld hat besondere Anforderungen und die müssen berücksichtigt werden. Nichtsdestotrotz muss eines festgehalten werden: Manchmal MÜSSEN Veränderungen sein. Andernfalls drohen das immer stärker diskutierte Burnout. Ob nun Burnout wirklich als Burnout bezeichnet werden kann, soll hier außen vor bleiben. Es beschreibt ein akutes Belastungserleben und daher ist der Begriff für diesen Post ganz nützlich.

Wie kann ich nun dafür sorgen, bessere Arbeitsbedingungen zu schaffen. Zuerst einmal ist die viel erwähnte work-life-balance wichtig. Gleichen Sie den beruflichen Stress mit Entspannung im Privatleben aus. Beruflicher Stress bringt die Waage negativ in sschwanken. Gleichen Sie dies mit positiven Aktivitäten aus.  Das ist möglich und wenn die Zeit wirklich fehlt, nehmen Sie sich wenige Minuten um vielleicht ein Entspannungstraining zu verfolgen. Ein 10 Stunden-Tag muss nicht mit einem 3-stündigen Wannenbad ausgeglichen werden, 20 Minuten können auch schon Erholung bieten. Bitte behalten Sie einfach Ihre Interessen im Kopf und sorgen Sie dafür, dass die Hobbies nicht in Vergessenheit geraten. Gleiches gilt für kurze Päuschen auf der Arbeit. Ihre Kollegen machen doch auch Zigarettenpausen. Wieso sollten Sie dann nicht eine 5-minütige PMR machen können?

„Also wirklich, ich kann meinem Chef nun echt nicht erzählen, dass ich PMR machen will!“ Mhhhh….warum nicht? Auf die Art WIE Sie es sagen kommt es an. Und irgendwann ist ein solches Gespräch unumgänglich. Wichtig ist es hier nach den Regeln guten Feedbacks vorzugehen. Gebrauchen Sie das Feedback-Sandwich: Leiten Sie Ihre Bitte oder Ihre Kritik mit etwas Positivem ein, bringen Sie dann Ihr Anliegen vor und leiten Sie das Feedback dann ebenfalls positiv aus, geben Sie eine gute, vielversprechende Perspektive vor.

Üben Sie es ein, Feedback zu geben, sodass Sie für das Gespräch mit dem Chef gewappnet sind. Übung macht den Meister und schafft Sicherheit.

Ein anderer Weg, ein solches Gespräch vorzubereiten ist der Schriftweg. Schreiben Sie ganz exakt auf, was Sie Ihrem Chef sagen möchten und halten Sie Ihre Argumente fest. Dies bedeutet nicht, dass Sie mit Handzetteln ins Meeting gehen sollen, sondern vielmehr, dass eine gute Vorbereitung dafür sorgt, dass das gefürchtete „schwimmen“ in der Argumentation reduziert werden kann und somit wieder eine stressbehaftete Störquelle beseitigt werden kann.

Ich wünsche Ihnen in jedem Fall, dass Ihr Gesprächsvorhaben erfolgreich verläuft. Die Chancen stehen gut, das beweisen zahlreiche Patientengespräche, die über große Ängste vor solch offiziellen Gesprächen berichtet haben und die danach höchstzufrieden waren. Zufrieden, weil ihre Offenheit honoriert wurde und ihnen Unterstützung zugesagt wurde. Natürlich wurde ein solches Gespräch im therapeutischen Setting nicht in einer einzigen Sitzung vorbereitet. Man darf und soll sich dabei Zeit nehmen. Man soll aber auch am Ball bleiben. Holen Sie sich Hilfe. Hilfe können vertraute Kollegen bieten, genauso wie Ihr persönliches und familiäres Umfeld. Was sagen die zu der Situation, was raten Sie Ihnen bzw. was hat ihr Umfeld in ähnlichen Situationen unternommen? Hier können eine Vielzahl an möglichen Hilfen generiert werden, aus denen Sie dann mittels des in früheren Posts beschriebenen Bauchgefühls wählen können 🙂

Viel Erfolg!