Wie sage ich es meinen Chef?

Ja, wie kann ich meinem Chef vermitteln, dass die Arbeitsbelastung zu hoch ist und ich dem Pensum nicht gewachsen bin. Lassen Sie uns das mal so hart stehen bleiben und nicht über die Formulierung streiten.

Immer wieder verdeutlichen Patienten im Gespräch, dass die vermittelten Inhalte wie z.B. sich öfter etwas Gutes zu tun und konsequent Pausen zu schaffen, schön aber für das Arbeitsleben unpraktikabel sind.

„Können Sie mir mal erklären, wie ich Pausen machen soll, wenn mein Chef mich mit Aktenbergen zuschüttet und ich Deadlines habe? Würden Sie bitte auch eine Erklärung mitgeben, was ich meinem Chef sage, wenn er mir auf die Bitte um weniger Arbeitspensum erwidert, dass meine vierteljährliche Bewertung noch nicht festgeszurrt ist?“

Die Patienten haben natürlich Recht. Das berufliche Umfeld hat besondere Anforderungen und die müssen berücksichtigt werden. Nichtsdestotrotz muss eines festgehalten werden: Manchmal MÜSSEN Veränderungen sein. Andernfalls drohen das immer stärker diskutierte Burnout. Ob nun Burnout wirklich als Burnout bezeichnet werden kann, soll hier außen vor bleiben. Es beschreibt ein akutes Belastungserleben und daher ist der Begriff für diesen Post ganz nützlich.

Wie kann ich nun dafür sorgen, bessere Arbeitsbedingungen zu schaffen. Zuerst einmal ist die viel erwähnte work-life-balance wichtig. Gleichen Sie den beruflichen Stress mit Entspannung im Privatleben aus. Beruflicher Stress bringt die Waage negativ in sschwanken. Gleichen Sie dies mit positiven Aktivitäten aus.  Das ist möglich und wenn die Zeit wirklich fehlt, nehmen Sie sich wenige Minuten um vielleicht ein Entspannungstraining zu verfolgen. Ein 10 Stunden-Tag muss nicht mit einem 3-stündigen Wannenbad ausgeglichen werden, 20 Minuten können auch schon Erholung bieten. Bitte behalten Sie einfach Ihre Interessen im Kopf und sorgen Sie dafür, dass die Hobbies nicht in Vergessenheit geraten. Gleiches gilt für kurze Päuschen auf der Arbeit. Ihre Kollegen machen doch auch Zigarettenpausen. Wieso sollten Sie dann nicht eine 5-minütige PMR machen können?

„Also wirklich, ich kann meinem Chef nun echt nicht erzählen, dass ich PMR machen will!“ Mhhhh….warum nicht? Auf die Art WIE Sie es sagen kommt es an. Und irgendwann ist ein solches Gespräch unumgänglich. Wichtig ist es hier nach den Regeln guten Feedbacks vorzugehen. Gebrauchen Sie das Feedback-Sandwich: Leiten Sie Ihre Bitte oder Ihre Kritik mit etwas Positivem ein, bringen Sie dann Ihr Anliegen vor und leiten Sie das Feedback dann ebenfalls positiv aus, geben Sie eine gute, vielversprechende Perspektive vor.

Üben Sie es ein, Feedback zu geben, sodass Sie für das Gespräch mit dem Chef gewappnet sind. Übung macht den Meister und schafft Sicherheit.

Ein anderer Weg, ein solches Gespräch vorzubereiten ist der Schriftweg. Schreiben Sie ganz exakt auf, was Sie Ihrem Chef sagen möchten und halten Sie Ihre Argumente fest. Dies bedeutet nicht, dass Sie mit Handzetteln ins Meeting gehen sollen, sondern vielmehr, dass eine gute Vorbereitung dafür sorgt, dass das gefürchtete „schwimmen“ in der Argumentation reduziert werden kann und somit wieder eine stressbehaftete Störquelle beseitigt werden kann.

Ich wünsche Ihnen in jedem Fall, dass Ihr Gesprächsvorhaben erfolgreich verläuft. Die Chancen stehen gut, das beweisen zahlreiche Patientengespräche, die über große Ängste vor solch offiziellen Gesprächen berichtet haben und die danach höchstzufrieden waren. Zufrieden, weil ihre Offenheit honoriert wurde und ihnen Unterstützung zugesagt wurde. Natürlich wurde ein solches Gespräch im therapeutischen Setting nicht in einer einzigen Sitzung vorbereitet. Man darf und soll sich dabei Zeit nehmen. Man soll aber auch am Ball bleiben. Holen Sie sich Hilfe. Hilfe können vertraute Kollegen bieten, genauso wie Ihr persönliches und familiäres Umfeld. Was sagen die zu der Situation, was raten Sie Ihnen bzw. was hat ihr Umfeld in ähnlichen Situationen unternommen? Hier können eine Vielzahl an möglichen Hilfen generiert werden, aus denen Sie dann mittels des in früheren Posts beschriebenen Bauchgefühls wählen können 🙂

Viel Erfolg!

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