Kommunikationsquadrat

“Man kann nicht nicht kommunizieren!” Das hat Paul Watzlawik einmal festgehalten. Wie recht er mit dieser Aussage hatte! Bevor ich mich eingehend mit Kommunikationsmustern und wissenschaftlichen Modellen hierzu auseinandergesetzt habe, ich muss es gestehen, hatte ich ein relativ eindimensionales Bild von Kommunikation. Dieses Bild sah ungefähr so aus: Person A sagt etwas und Person B reagiert darauf. Wie Person B reagiert hängt einzig davon ab, mit welchem Ton und welcher Formulierung Person A an sie herantritt. Sprachwissenschaftler werden die Hände über dem Kopf zusammenschlagen bei solch unausgewogenen Sichtweisen. Glücklicherweise habe ich dazugelernt und möchte diesen Wissenszuwachs gern mit meinen Lesern teilen. Meine Frage: Wenn ich nicht nicht kommunizieren kann, wie kann ich dann richtig kommunizieren? Worauf muss ich achten, was beherzigen? Wie kann ich Konflikte und somit ein erhöhtes Stresslevel vermeiden? Meine Antwort: Auf keinen Fall verzagen und in Ruhe die folgende Erläuterung auf sich wirken lassen! 😉 Ich werde mir nicht anmaßen innerhalb eines Posts kommunikationswissenschaftliche Grundprinzipien groteskt verkürzt zusammenzufassen. Ich bin Psychologe, und daher konzentriere ich mich auf etwas ganz Grundlegendes und Wesentliches. Es kann nämlich wirklich gewinnbringend sein und ab und an innezuhalten und einfach über unsere Kommunikation zu reflektieren (Bitte lesen sie weiter, ich versuche ab jetzt auf derart pathetische Sprachblüten zu verzichten). Bei dieser Reflektion wird uns Friedemann Schulz von Thun, seines Zeichens Psychologe UND Kommunikationswissenschaftler, helfen. Herr Schulz von Thun hat nämlich eines der bedeutensten Erklärungsmodelle für die menschliche Kommunikations etabliert, das im Folgenden erklärt wird und mir und Ihnen helfen kann, Kommunikationsprobleme zu vermeiden. Das Kommunikationsquadrat geht 1. davon aus, dass Kommunikation zwischen einem Sender von Nachrichten und einem Empfänger eben dieser stattfindet. 2. (und am allerwichtigsten) enthalten alle Nachrichten 4 Aspekte, die immer gesendet werden und auch immer empfangen werden: Sachinhalt (hierbei handelt es sich um die Sache, über die ich als Sender informieren möchte) Selbstoffenbarung ( Wenn ich über etwas informiere, gebe ich auch immer etwas über mich selber preis) Beziehung ( Wenn ich etwas sage, dann sagt das auch immer etwas über meine Beziehung zu meinem Gesprächspartner aus) Appell ( Wenn ich kommunizieren stelle ich auch immer eine Forderung an meinen Kommunikationspartner) Ein tieferes Verständnis des Kommunikationsquadrates vermittelt Schulz von Thun mit Hilfe des Pareto – Prinzips, dem auch zahlreiche andere Kommunikationsmodelle folgen. Es besagt, dass nicht alle Aspekte des Kommunikationsquadrates zu gleichen Teilen sprachlich expliziert werden können, bzw. nicht alle mit gleicher Gewichtung in die Kommunikation eingehen, sondern vielmehr gleich eines Eisberges unter der Oberfläche subliminal ausgedrückt werden. Welcher Teil des Quadrates jeweils dominiert, ist von Interaktion zu Interaktion und auch innerhalb eines einzigen Gespräches unterschiedlich. Was hier das Fänomenale ist: Schulz von Thun macht deutlich, dass eine Botschaft immer vielschichtig ist. Wir sollten das viel öfter beherzigen. Ein einfaches Beispiel: Unser Chef fragt uns ob alles klargeht mit der Deadline für den neuen Auftrag und ob wir zurechtkommen. Anstatt direkt innerlich an die Decke zu gehen über diese überflüssige Nachfrage, die eh einer Kontrolle gleichkommt, können wir, nun da wir das Kommunikationsquadrat kennen, kurz innehalten und z.B. den Beziehungsaspekt genauer beleuchten. Möglicherweise sendet der Chef hier die Nachricht mit: Ich bin ein verantwortungsbewusster Chef, ich kümmere mich um meine Mitarbeiter, da mir viel an ihnen liegt. Noch anders: Ich möchte ein Ziel erreichen und brauche Hilfe. Das bedeutet, ich muss gut kommunizieren. Berücksichtige ich die Inhalte des Kommunikationsquadrates, kann ich mein Anliegen möglicherweise viel feiner und entspannter an den Mann/die Frau bringen. Probieren Sie es aus! Das Modell ist Gold wert! 🙂 Literatur auf der dieser Post basiert: Schulz von Thun, F. (2009). Miteinander reden – Störungen und Klärungen Bd. 1. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Taschenbuch Verlag.

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